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Zollwache Chronik


Erstellt von Ferdinand Hampl, Oberst i.R. RegRat

Die Zollwache seit 1830

 

Das Recht des Staates, Steuern oder Gefälle einzuheben, wurde im Mittelalter durch dringende Geldnot vielfach an Privatleute verpachtet oder verkauft. Immer mehr wurde die Zollerhebung an die Grenzen des Staatsgebietes verlagert und die Wachtruppen trugen verschiedene Namen, waren jedoch weder durch besondere Kleidung noch durch Abzeichen gekennzeichnet. Als jedoch im Jahre 1526 die Länder der ungarischen und böhmischen Krone an das Haus Habsburg fielen, errichtete man ein staatliches Gefällenpersonal, die so genannten "Überreiter". Diese waren keine Finanzwachorgane, sondern einfache Wächter ohne jede höhere Bildung.

Durch die drastische Erhöhung der Zölle und Abgaben und die Erlassung von Verboten nach den napoleonischen Kriegen, begann der Schleichhandel zu blühen. Deshalb wurden zur Verstärkung den Überreitern so genannte "Portatschen" zur Seite gestellt. Weiters wurden teils berittene und unberittene "Bankalisten", sowie ein Militärgrenzkordon aus halbinvaliden ehemalige Soldaten, die uneinheitlich uniformiert und bewaffnet waren, zum Grentdienste eingeteilt. Sie waren den Militärbehörden unterstellt und konnten die Aufgabe einer effizienten Überwachung der Zollgrenze nur ungenügend erfüllen.

 

1830

Durch kaiserliche Entschließung vom 24. Oktober 1829 und mit Hofkammerdekret vom 10. Oktober 1830, Zahl 5882 wird ein nicht mehr dem Militär, sondern der k.k. Hofkammer unterstehender uniformierterewaffneter Zivilwachkörper mit der Bezeichnung "Gränzwache" mit 14.326 Bediensteten errichtet. Die ursprüngliche Absicht, als Bezeichnung "Grenzaufsicht" zu wählen wird verworfen, da sich das Wort "Aufsicht" für das Grenzwachkorps in der Lombardei und in Venetien nur schwer in das Italienische übersetzen ließ, während das Wort "Wache" leicht in "Guardia" übersetzt werden kann.

 

 

1835

Um auch im Innern Gefällsübertretungen (Gefälle - Ein bis zum Ende des 19. Jahrshunderts gebräuchlicher Ausdruck im Steuerwesen für Monopole und Verbrauchssteuern, z.B. Biergefälle, Tabakgefälle) zu verhindern und zu entdecken, bei den ausübenden Gefällsämtern Hilfsleistungen zu entrichten, die indirekt besteuerten Gewerbe, wie Brauereien, Branntweinbrennereien und Zuckerfabriken durch periodische Amtshandlungen der Nachschau zu kontrollieren, wird mit Hofkammerdekret vom 22. April 1835 eine "Gefällenwache" nach dem Muster der Grenzwache mit 8.336 Bediensteten errichtet. Das "Strafgesetzes über Gefällsübertretungen" und die "Zoll-und Staats-Monopolsordnung" werden erlassen.

 

1843

Die Organisation zweier großer Wachanstalten ist umständlich und aufwendig, vielfach doppelgeleisig. Daher werden mit allerhöchster Entschließung und Hofkammerdekret vom 21. April 1843 die in den deutschen, galizischen und lombardisch-venezianischen Provinzen bisher bestandenen beiden Wachanstalten "Gränz - und Gefällenwache" unter dem Namen "k.k. Finanzwache" beziehungsweise "Guardia di finanza" vereinigt.

 

               Finanzwach Respizient                            "Corporale" der Guardia di finanza

1848

Die k.k. allgemeine Hofkammer zu Wien wird in Finanzministerium umbenannt.

 

1850

An Stelle der seit 1830 bestehenden "Cameral-Gefällen-Verwaltung" treten mit Erlass des Finanzministeriums vom 21. Mai 1850 mit Wirksamheit vom 1. Juni 1850 Finanzlandesdirektionen (in Lemberg, Prag, Wien, Triest, Brünn, Graz, Innsbruck und Zara) und Finanzdirektionen (in Linz, Salzburg, Triest, Troppau und Czernowitz). Der Statthalter des jeweiligen Kronlandes wird zum Präsidenten bestimmt; ihm wird als zweiter Vorsteher der Behörde ein Beamter mit dem Titel eines Vizepräsidenten beigegeben.

 

         Wien, Vordere Zollamtsstraße 3                        Finanzdampfer "Spalato"

 

Die Finanzwache hat auch ihren Dienst an der Verzehrungssteuer-Linie und bei den Linienämtern der "geschlossenen" Städte Wien, Linz, Graz, Lemberg, Laibach, Innsbruck, Triest, Prag und Brünn zu versehen.

 

1853

Eine probeweise Reorganisierung der Finanzwache findet auf Grund des ersten Zoll- und Handelsvertrages mit Preußen *) in Vorarlberg mit Liechtenstein und längs des Deutschen Zollvereines bis Niederschlesien sowie im Freihafen von Triest und im Amtssprengel des k.k. Hauptzollamtes in Wien statt.

*) Der Deutsche Zollverein war ein Zusammenschluss deutscher Bundesstaaten für den Bereich der Zoll- und Handelspolitik. DerDeutsche Zollverein trat am 1. Januar 1834 in Kraft.er preußisch dominierte Zollverein umfasste das Großherzogtum Hessen, Kurhessen, Bayern, Württemberg, Sachsen und diethüringischen Einzelstaaten, Baden, Nassau, Frankfurt, Luxemburg, Braunschweig, Lippe, Hannover und Oldenburg Ziel des Zollvereins war die Schaffung eines wirtschaftlichen Binnenmarkts und die Vereinheitlichung fiskalisch-ökonomischerRahmenbedingungen.

 

1858

Durch den Erlass des Finanzministeriums vom 11. Mai 1858, Zahl 2108 wird die im Jahre 1853 probeweise eingeführte Reorganisation der Finanzwache als definitive Umgestaltung angeordnet und mit Erlass vom 30. Oktober 1858, Zahl 5503 eine besondere „Dienstvorschrift für die Finanzwache im Grenzbezirke“
erlassen.


1863

Auf Grund eines Erlasses des Finanzministeriums vom 19. November 1862 wird in Brünn der ersteLehrkurs zur Vorbereitung für die „Praktische Prüfung aus dem Verzehrungssteuerfache“ abgehalten.


1867

Durch die in diesem Jahre eingetretene politische Teilung des einheitlichen Kaiserstaates in zweiselbstständige Reichshälften Österreich und Ungarn (Dualismus), werden ungarische „Untertanen“ ausder Finanzwache des diesseitigen Reichsgebietes und vice versa ausgeschieden. Dieser Umstand bringt einenamhafte Überschreitung des systemisierten Standes der Finanzwache.

 

Zur Anschaffung und Instandhaltung der Amtskleidung, der Bett-Erfordernisse und des Riemenzeuges nebst Munition erhält jeder ohne Unterschied der Charge: An Bekleidungsbeitrag 36 fl. 50 kr., an „Bettrelutum“ der Ledige 8 fl., der Verehelichte oder Witwer mit Kindern 12 fl. und an Rüstzeugpauschale 1 fl. 50 kr. jährlich.

 

 

1882

Eine namhafte Vermehrung der Berufspflichten der Finanzwache bringt die Modifizierung der Fleischsteuer, des Spielkartenstempels sowie die Einführung der „Kunst- und Halbweinsteuer“ und der Mineralölverbrauchssteuer mit den Gesetzen vom 30. März bzw. 26. Mai 1882.

 

Mit allerhöchster Entschließung vom 12. Juni 1882 wird für die Finanzwache zur See eine neue Uniformierungsvorschrift erlassen und mit dem Finanzministerialerlass vom 20. Juni 1882, Zahl 18.413 eine allgemeine Kasernordnung und Exerzierinstruktion herausgegeben.

 

1886

In der Haupt- und Residenzstadt Wien wird
dem Wunsche der Finanzwache Rechnung
getragen und die Herausgabe der „Zollämter- und Finanzwach-Zeitung" gestattet.

1890

Im April des Jahres beträgt der systemisierte Stand der k.k. Finanzwache 9.533 Mann, welche den
Finanzlandesdirektionen, den Finanzdirektionen und den k.k. Hauptzollämtern in Triest, Prag und Wien unterstellt
sind.

 

1892

Von der galizischen Finanzwache wird in Lemberg eine Fachzeitschrift in polnischer Sprache, der „Dvutygodnik galicyjskiej c. k. stražy skarbu“ gegründet und herausgegeben.

 

1897

Erscheint in Libochowitz die böhmische Fachzeitung „Zájmy finančni stráže“.

 

1902

Eine wesentliche Absorbierung der Finanzwache nimmt dieAufstellung der „Bierwürzekontrollmessapparate“ in jenen Braustätten, deren Erzeugung 20.000 hl übersteigt in Anspruch. Die erste Inbetriebsetzung des Messapparates findet am 25. September 1902 in der Wien-Simmeringer Braustätte statt. In Prag wird die Fachzeitschrift „Finanzwach-Revue" gegründet.


1907

Nach jahrelanger Tätigkeit der Fachpresse und der an dieserbeteiligten Bediensteten der Finanzwache gelingt es, die Regierung zur Herausgabe einer neuen Dienstvorschrift zu bewegen, welche am 17. März 1907 die „Allerhöchste Sanktion" erhält. Eine wesentliche Änderung ist, dass die Bezeichnung Mannschaft durch „Unterbeamte" ersetzt wird. Weiters werden die Strafbestimmungen der alten Vorschrift aufgehoben und auf die Finanzwachunterbeamten haben die Bestimmungen der Dienstpragmatik Anwendung zu finden.

 

 

 

 

 

In Wien, Prag, Brünn und Lemberg werden die ersten Vorbereitungskurse für die Finanzwachprüfung, und in Wien, Prag, Lemberg, Innsbruck und Triest die Zollkurse ausschließlich für die Finanzwache eröffnet.

 

 

 

 

Finanzwachkurs im Jahre 1896

 

 

 

 

Das Feuersteingewehr, mit welchem die Grenz und Gefällenwache bei ihrer Errichtung ausgerüstet worden war, wurde im Jahre 1836 durch das neue Gewehr mit Perkussionsschloss, vorerst bei der Grenzwache ersetzt, worauf seit dem Jahre 1875 das Wenzelgewehr sukzessive zur Einführung gelangte. Die gegenwärtige Ausrüstung der Finanzwache an der Grenze besteht aus dem Mannlicher-Repetierstutzen M 1895 und im Innern des Landes (seit 1913) aus dem Extrakorpsgewehr mit Werndlverschluss M 1875/77.

 

 

1914

Mit der Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli beginnt ein gnadenloser Krieg, von dem vor allem zu Kriegsbeginn die Finanzwache durch ihre Postierung an den Grenzen der Monarchie betroffen ist. Für jene Finanzwachmannschaft, welche an den Grenzen gegen Russland und Italien am militärischen Grenz- (Küsten-) schutze mitzuwirken hat, wurden nebst der Einführung des kaiserlichen Adlers am Kragen, gleichzeitig nachfolgende Uniformierungsänderungen angeordnet: Die Finanzwachmannschaft des Landesdienstes hat als Chargendistinktion statt der bis dahin bestandenen Rosetten Distinktionsterne aus weißer Seide - gleich der Infanterie - und statt des bisherigen Tschakos den Infanterietschako zu tragen.

 

 

Die Distinktionsborten der Finanzwachbeamten des Seedienstes haben unter Beibehaltung der Silberfarbe jenen zu entsprechen, die für die k.u.k. Marinebeamten vorgeschrieben sind, jedoch mit Vorstößen und Zwischenräumen aus lichtgrüner Seide. Die Finanzwachbeamten sowohl des Land- als auch des Seedienstes haben Kuppel und Portepee der Militärbeamten zu tragen.


1918

Am 12. November wird die Republik Österreich ausgerufen. Die schwarz-gelbe Fahne der Habsburger wird von den Masten des Parlamentes herabgeholt und die rot-weiß-rote Fahne der Republik Österreich aufgezogen.
Die Finanzwache verliert nicht nur den Zusatz „k.k.“; auch 940 Kriegstote aus den Reihen der Finanzwache, - etwa 10 Prozent des Gesamtstandes - sind zu beklagen. Österreich ist klein geworden. Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, Bukowina, Südtirol, Istrien mit Triest und Pola, Bosnien, die Herzegowina, Krain, Dalmatien und Teile
Niederösterreichs, Kärntens und der Steiermark werden selbstständige Staaten oder gehören nach Artikel 27 des
Friedensvertrages von Saint-Germain en Laye zu anderen Staaten.


1920

Die Finanzwach-Unterbeamten werden zu Staatsbeamten. Mit dem Zollgesetz vom 10. Juni 1920 wird die Finanzwache in „Zollwache“ umbenannt, doch die zur „Steueraufsicht“ eingesetzten Beamten werden von der Zollwache getrennt und als Zivilbeamte der allgemeinen Verwaltung unterstellt.


1921

Durch Artikel 27 des Friedensvertrages von Trianon wird aber das deutschsprachige Westungarn als Burgenland und heute neuntes Bundesland der Republik Österreich angeschlossen. Am 28. August werden unter anderem 25 Zollwachebeamte und 75 Gendarmeriebeamte, die von Kirchschlag in Niederösterreich ins Burgenland vorrücken, um in Vollziehung ihrer Dienstpflicht an die Aufstellung der notwendigen Grenzstationen zu schreiten, von
ungarischen Freischärlern mit Maschinengewehren und Handgranaten bedroht und eingesperrt. Erst am 8. November lässt man sie nach einer Intervention der Regierung frei.

 

 

Zollwachebeamte und Gendarmen als Gefangene der ungarischen Freischärler auf den Weg ins Gefängnis

 

1922

 

Erst jetzt kann durch einen alliierten Grenzregelungsausschuss, bestehend aus Oberst A.J. Craven (GB), Major
Andre Jocard (F), Major Enrico Calma (I), Dr. Ernest Träger, Ministerial-Sektionsrat (HU) und Dr. Stefan Neugebauer, MinRat (A) die Festsetzung der Staats- und Zollgrenze zu Ungarn im Gelände erfolgen. An den neuen Grenzen wird mit dem Bau von Zollhäusern als Unterkunft für die von der alten Grenze (heutige Grenze der
Bundesländer Steiermark und Niederösterreich zum Burgenland) abgezogenen Beamten und für Kanzleiräume der Abteilungen und Zollämter begonnen.

 

 

1925

 

Zur Ausbildung der neu aufgenommenen Beamtenanwärter in die Zollwache werden in Wien, Linz und Kufstein Unterrichtsabteilungen eingerichtet; nach bestandener Prüfung und praktischer Verwendung im Dienstbetrieb, kann der Anwärter - falls er sich bewährt - als Beamter angestellt werden. Die erste Fachprüfung ist bei den Zolloberämtern in Wien, Linz, Graz und Innsbruck, die höhere Fachprüfung aber nur beim Zolloberamt (später bei der Finanzlandesdirektion) in Wien abzulegen.

 

 

 Unterrichtskurs in Wien; sitzend, 5. von links: Emil Kostron

 

 

1927

 

In Wien wird im Hause Vordere Zollamtsstraße 7 die neue Zollwach-Unterrichtsabteilung eröffnet; zum Leiter wird Zollwach Oberkontrollor Emil Kostron bestellt.


1930

 

Die äußerst triste wirtschaftliche Lage Österreichs in den Dreißigerjahren mit etwa 600.000 Arbeitslosen, führt unter anderem an der ungarischen Grenze zum Schmuggel ungeahnten Ausmaßes, dem die Zollwache nur mit Unterstützung des Bundesheeres (Assistenzeinsatz) begegnen kann. Es kommt sogar zu offenen Feindseligkeiten der Bevölkerung gegen die Zollwache (Hölle von Nikitsch).

 

 

1938

 

In den frühen Morgenstunden des 12. März beginnt der Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich. Die Welt sieht tatenlos zu. Die Zollwache, die über höheren Befehl die Schranken zu öffnen hat, muss zusehen. Beamte der deutschen Reichsfinanzverwaltung übernehmen die wichtigen Posten. Wer von den Zollwachebeamten einen „Ariernachweis“ erbringen kann, wird in die Reichsfinanzverwaltung überstellt, die anderen werden entlassen. Aber auch die meisten der in die Reichsfinanzverwaltung übernommenen müssen schon bald ihren Dienst an der polnisch-russischen Grenze versehen. Sanok-Nord und Sanok-Süd sind die neuen Dienststellen der Beamten.

 

 

1945

 

Der Krieg ist zu Ende; viele der Beamten kehren nicht mehr zurück. Österreich ist ein von fremden Truppen besetztes Land; aber es hat wieder eine eigene Verwaltung, wenn auch mit eingeschränkten Befugnissen. Unter großen Schwierigkeiten geht man an den Aufbau der Zollverwaltung. Die Zollwache erhält eine neue graue Uniform. Die Zollwachabteilungen an der Grenze werden in Kontrollabschnitte gegliedert; jedem dieser Kontrollabschnitte steht ein Kontrollabschnittsleiter vor. Die Amtstitel der Zollwachebeamten lauteten: Revisor, Oberrevisor, Kontrollor, Oberkontrollor, Inspektor, Gruppeninspektor, Oberinspektor (1. und 2. Klasse). Anfänglich werden auch „HIZWA“ (Hilfszollwachmänner) und „HIGA“ (Hilfsgrenzangestellte) bedienstet.

 

 

 

                                                                                                                                            „Berittener“ Kontrollabschnittsleiter

 

1947

 

Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen vom 16. August, Zl. 21.567-22/1947 wird der Zollwachdienst durch die Umwandlung der Kontrollabschnitte in Zollwachabteilungsinspektorate neu organisiert. Als besondere Aufgaben werden den Abteilungsinspektoren die „Einsetzung und Überwachung von Motorradpatrouillen im Grenzbezirk“, die „Herstellung eines ständigen Kontaktes mit den Bürgermeistern und Bezirkshauptmannschaften“, die „Überwachung der Verwendung und der Instandhaltung von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern“ sowie die „Überwachung der Ausbildung, Verwendung und Pflege der Diensthunde“ aufgetragen. Die Leiter der Inspektorate sind Beamte der Verwendungsgruppe W 1. Die Ausbildung und Schulung der Zollwachebeamten erfolgt in Wien vorerst in zwei Räumen am Dachboden des Hauses Vordere Zollamtsstraße Nr. 5; das Beheizen der Räume während der kalten Jahreszeit ist nicht nur wegen des fehlenden Brennmaterials unmöglich. Die ersten Unterrichtskurse finden ab 1947 unter der Leitung von Zollwach-Oberinspektor Emil Kostron und Zollwach-Inspektor Josef Holzmüller statt. Auch der erste Fachkurs (Bild), welchem viele spätere W1 Beamte als Absolventen angehören, findet von September bis Dezember 1947 in Wien statt.

 

 

 

 

 

Die „Zollschule“ übersiedelt aber schon bald in die Kalvarienberggasse im 17. Wiener Gemeindebezirk (ehem. k.u.k. Offizierstöchter-Institut) in eine gemeinsame Ausbildungsstätte mit den Beamten der zivilen Verwaltung.

1950

 

In Wien übergibt der englische Hochkommissär gebrauchte Motorräder der Type „Triumph 500“ mit Beiwagen der Zollwache. Diese Motorräder werden hauptsächlich im Inspizierungsdienst und bei den Abteilungsinspektoraten eingesetzt.
Übergabe vor dem Technischen Museum 1951 In Wien wird der erste Vorbereitungslehrgang zur Fachprüfung für leitende Zollwachebeamte abgehalten.

1954

 

Errichtung der Schiffszollwachabteilung Wien mit vorläufigem Standort „Gelände Nußdorfer Schleuse“; zum Leiter wird Zw.Ob.Ktr. Adolf Eder bestellt.

 

 

 

 

Probefahrt mit dem Zollboot "March"

 

1955

 

Am 15. Mai wird der Staatsvertrag im Wiener Belvedere feierlich unterzeichnet. "Österreich ist frei" Im Juni des Jahres 1955 wird bei der Zollwache, vorerst nur zwischen den Zollbooten auf der Donau, der Sprechfunkverkehr eingeführt.


1956

 

Die Zollwache an der Ostgrenze Österreichs, nun einheitlich mit dem Karabiner M-1 und der Pistole Walther PPK 7,65 bewaffnet, hat eine außergewöhnliche Bewährungsprobe zu bestehen: Der Volksaufstand in Ungarn und die damit verbundene Massenflucht nach Österreich.

 

Stabsinspizient Thiel im Gespräch mit russischen Offizieren am Zollschranken in Nickelsdorf

 

Auch der Dienst an der Grenze zu Italien ist in diesen Jahren der Bombenanschläge und Unruhen in Südtirol
ein gefährlicher.


1957

 

Die gesamte Ausbildung der Zollwachebeamten erfolgt seit März dieses Jahres bundesweit an der
Zollwachunterrichtsabteilung“ der Bundeszollwachschule in Gebäuden der ehemaligen Deutschmeisterkaserne am Rennweg in Wien.

 

Seit 1. April 1957 wird an der ungarischen Grenze wieder der Stacheldraht mit davorliegendem Minengürtel errichtet.

 

Mit 1. Juli werden auf Grund der 3. Novelle der Dienstzweigeverordnung für Wachebeamte im Bundesdienst (BGBl.Nr. 135 vom 25. Juni 1957) neue Amtstitel für die leitenden Beamten eingeführt; dies sind die
Offiziersdienstgrade mit dem Zusatz „Zollwach“- ähnlich den Offiziersdienstgraden des Bundesheeres.

 

Korpsabzeichen

 

 

1969

 

Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen vom 23. Mai 1969, Z. 405 461-22a/69, wird für die Zollwache ein Korpsabzeichen eingeführt. Im Erlass werden auch die Symbole des Korpsabzeichen erläutert. Das
Bundeswappen bedeutet „Wache für die Republik Österreich", der Horizontbalken die „grüne Grenze, auf vordersten Posten", der Fahrstreifen den „Verkehr auf Zollstraßen und Nebenwegen", das Eichenlaub „Tapferkeit"
und die Lorbeerblätter bedeuten „Ruhm und Ehre".
Seit 1. Dezember 1969 haben alle Zollwachebeamten das Korpsabzeichen an der Uniform zu tragen.

 

1977

 

Durch die Schaffung der Bundes Zoll- und Zollwachschule am Rennweg zu einer zentralen Ausbildungsstätte sowohl für die Beamten der Zollwache als auch für die zivilen Bediensteten der Zollverwaltung kommt es zur Trennung von der Bundesfinanzschule.

 


Der Lehrkörper der Bundes Zoll- und Zollwachschule im Jahre 1982

 

1978

 

Mit 1. Jänner gelten im Exekutivdienst und somit auch bei der Zollwache neue Amtstitel: Inspektor, Revier-, Bezirks-, Gruppen- und Abteilungsinspektor. Bei den Beamten der Verwendungsgruppe W1 (E1) wird der Zusatz „Zollwach“ nicht mehr geführt; der Amtstitel Rittmeister wird auf Hauptmann geändert. 

 

Mit 31. März werden die Abteilungsinspektorate aufgelassen und zum geringen Teil in „Außenstellen des Inspizierungsdienstes" umgewandelt.


1982

 

Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen werden die ersten „Mobilen Einsatzgruppen" (MEG) eingeführt.


1985

 

Mit Wirksamkeit vom 1. Juni wird die Bundes Zoll- und Zollwachschule eine eigene Geschäftsabteilung der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Zum Vorstand der Geschäftsabteilung und Leiter der Bundes Zoll- und Zollwachschule wird Hofrat Mag. Kurt Kumbilieff bestellt.


1989

 

Im September bezieht die Bundes Zoll- und Zollwachschule im Bundesamtsgebäude Erdberg ein ihren Erfordernissen entsprechendes Quartier. 

Durch die Initiative von SektChef Dr. Otto Gratschmayer kann in der neuen Schule auch das Zollmuseum eingerichtet werden.

 

 

Im Herbst des Jahres 1989 fällt plötzlich und unerwartet an der Ostgrenze nach 40 Jahren der „Eiserne Vorhang“; das Symbol für Unterdrückung und Unfreiheit. Und wieder wird die Zollwache mit vielfachen Problemen konfrontiert.


1995

 

Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union kommt es wohl zur größten Umgestaltung des Wachkörpers seit seinem Bestehen. Die „Streifabteilungen" entlang der grünen Grenze werden aufgelassen, da der Grenzdienst der Bundesgendarmerie die Grenzüberwachung an den meisten Abschnitten übernimmt. Von den etwa 4.300 Zollwachebeamten Österreichs verbleiben 2.310 (Stand am 1. Jänner 2000) im Finanzressort.


2000

 

Bei verschiedenen Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet wird das 170 Jahr Jubiläum der Österreichischen Zollwache begangen. In der aus diesem Anlass erschienenen Festschrift sprechen Politiker noch von der
„Unverzichtbarkeit der Österreichischen Zollwache im Bundesministerium für Finanzen“. Und mit einer großartigen Festveranstaltung wird in Wien das 150 Jahr Jubiläum der Finanzlandesdirektion feierlich begangen.


2003


In einem „Brief an die Zollwache“ vom 10. März 2003 teilen der Finanzminister und sein Staatssekretär den Beamten der Österreichischen Zollwache lapidar mit, dass „Aufgrund des Wegfalls von Agenden an den Grenzen sowie der Abgabe von Kontrollfunktionen an der Grenze zur Schweiz und zu Liechtenstein die Entscheidung getroffen wurde, 1.030 Bedienstete ins BMI zu übertragen, wovon 100 bereits vor der EU Osterweiterung
zugeordnet werden.


Die ca. 1.000 im BMF verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden zwar nicht als Wachkörper weitergeführt, es wird jedoch gewährleistet, dass es zu keinen besoldungsrechtlichen Schlechterstellungen kommt, soweit der neue Tätigkeitsbereich mit der bisherigen Verwendung vergleichbar ist. Die entsprechenden rechtlichen Begleitmaßnahmen sollen noch vor dem Sommer realisiert werden.


Mit dieser rein politischen Entscheidung war mit 30. April 2004 das Ende der Österreichischen Zollwache, des ältesten Zivilwachkörpers, nach 174 Jahren seines erfolgreichen Bestehens gekommen. Vollkommen unverständlich für die meisten Beamten, aber unabänderlich.

 

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